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Anfänge, Zäsuren und Zukunft

20 Jahre: Wo kommt START her und wo geht die Reise hin?



Der START/ 2002

 

Im Jahr 2002 wurde START zunächst als Programm der Gemeinnützigen Hertie-Stiftung ins Leben gerufen, die selbst 1974 von den Erben des Hertie-Kaufhaus-Inhabers Georg Karg gegründet worden war. Die Gemeinnützige Hertie-Stiftung hat zwei klare Ziele: zum einen die Hirnforschung unterstützen und ihre Ergebnisse nutzbar machen, zum anderen die Demokratie in Deutschland stärken – beispielsweise mit dem START-Programm.

 

Prof. Dr. Roland Kaehlbrandt,

von 1999 bis 2006 Geschäftsführer der Hertie-Stiftung

 

„Nach den inakzeptablen Ergebnissen der ersten PISA-Studie 2000 ging es uns in der Hertie-Stiftung darum, Zuwandererkinder gezielt in die Leistungsspitze der Republik bringen und zu zeigen: Es geht, wenn wir es wirklich wollen! Als wir die erste START-Generation im Jahr 2002 in Frankfurt feierlich aufnahmen, hielten einige von ihnen kurze Ansprachen. Im Publikum saßen Frankfurter Bürgerinnen und Bürger. Sie waren angerührt von dem Bildungsoptimismus der Jugendlichen. Es waren Bilder des Gelingens! Da wusste ich, das wird ein großer Erfolg. Solche Momente, in denen etwas gelingt, machen eine Idee erlebbar und verständlich. Und so meldeten sich Stiftungen, Mäzene, Unternehmen, die das Projekt übernehmen oder fördern wollten. Es war und ist die Kraft einer einfachen Idee: Aufstieg durch Bildung im Einwanderungsland Deutschland.“ 

Die Ausgründung/ 2007

 

Im Zuge der regionalen Ausweitung gründete die Gemeinnützige Hertie-Stiftung START im Jahr 2007 schließlich aus: Seitdem ist die START-Stiftung gGmbH als hundertprozentige Tochter der Mutter-Stiftung rechtlich selbstständig. Seit 2002 hat START bundesweit mehr als 3.500 junge Menschen gefördert, inzwischen sind alle 16 Bundesländer an dem Programm beteiligt.

 

Am Anfang von START stand der Wunsch, jungen Menschen mit Einwanderungsgeschichte allgemein eine Chance zu bieten, ihre Bildung zu verbessern, und sie dadurch bei der „Integration“ zu unterstützen. Damit war START viele Jahre erfolgreich.

Die Ausweitung/ 2015

 

Unter dem Eindruck des starken Anstiegs der Geflüchtetenzahlen in Deutschland 2015 widmete START sich schließlich verstärkt neu zugewanderten Jugendlichen: Ihnen wurde der Weg in und durch die deutsche Bildungslandschaft erleichtert und ein erfolgreicher Schulabschluss ermöglicht. Dabei wurde das Programm immer stärker vom Inklusionsgedanken getragen.

 

Peter Ruhenstroth-Bauer,

Geschäftsführer der Uno-Flüchtlingshilfe

 

„Die Gratulation steht natürlich an erster Stelle. Aber es wäre viel zu einfach, wenn man heute auf die Erfolge der 20 Jahre START-Stiftung zurückblickt und es bei dem großen Dank an die engagierten Mitarbeitenden belässt. Tatsächlich ist noch viel, viel mehr zu sagen: Immer mehr Menschen sind weltweit auf der Flucht und sind auf Schutz und Sicherheit angewiesen. Der Mut, das Durchhaltevermögen und die Resilienz der Flüchtlinge weltweit verlangt von uns den allergrößten Respekt.

 

Im (Arbeits-) Leben bringen Migrations- und Fluchterfahrung aber auch bei uns Nachteile mit sich oder behindern oft die Aufstiegschancen. Das ist es, wogegen die START-Stiftung so nachhaltig antritt: Sprachbarrieren, Diskriminierung und Vorurteile gemeinsam abbauen. Chancen und Perspektiven eröffnen und Potentiale fördern. Klingt alles nach einem großartigem Plan. Und richtig, wer mit Stipendiat:innen der START Stiftung spricht, erfährt, wie großartig diese Ziele der Stiftung für jede und jeden Einzelnen gewirkt haben. Dafür gilt unser aller Dank und eine große Gratulation zur erfolgreichen Arbeit in der Vergangenheit wie in der Zukunft.“

 

Tarek Mezal,

START-Alumnus

 

Jeder, der vor Verfolgung oder ernsthaftem Schaden in seinem Herkunftsland flieht, hat das Recht, einen Antrag auf internationalen Schutz zu stellen. Laut internationalem Recht besteht die Pflicht, Menschen, die etwa in Seenot geraten sind, zu retten und ihnen anschließend die Möglichkeit zu lassen, einen Antrag auf Asyl zu stellen. Die Realität entlang der europäischen Außengrenzen sieht allerdings anders aus. Der Europäischen Grenzagentur Frontex wird vorgeworfen, sich an illegalen Pushback-Aktionen beteiligt zu haben. Dass griechische Grenzschützer Schlauchboote zurückdrängen oder gar zerstören, hat START-Alumnus Tarek Mezal am eigenen Leib erfahren. Tarek musste vor fünf Jahren sein Heimatland Syrien verlassen und weiß durch eigene Erfahrung, wie es gelingt seinen Platz in der Gesellschaft zu finden. Als Mitbegründer des Vereins Flüchtling für Flüchtling leistet er Hilfe zur Selbsthilfe und unterstützt Geflüchtete dabei, sich in Deutschland zurechtzufinden.

Das engagement/ 2018 …

 

Den gesellschaftlichen Pfaden folgend, schärfte START seinen inhaltlichen Fokus im Jahr 2018 noch einmal nach und richtete ihn langfristig aus: Jungen Menschen unterschiedlicher Herkunft, denen die Zukunft unserer Demokratie und das friedliche Zusammenleben am Herzen liegen, werden Lern- und Gestaltungsmöglichkeiten geboten, damit sie sich gewinnbringend für die Gesellschaft einsetzen. Entscheidend für die Förderung – und für die Wirkung – ist seitdem nicht mehr primär das Woher, sondern das Wohin.

 

Annette Heuser,

Geschäftsführerin der Beisheim Stiftung

 

„Wir unterstützen bereits seit 2018 die START Stiftung. Uns überzeugen der stärkenbasierte Ansatz in Verbindung mit der Förderung von Verantwortungsträger:innen für unsere Gesellschaft von Morgen. Für die nächsten 20 Jahre wünschen wir START weiterhin viel Innovationskraft, Weitsicht, Fokus auf die Zielgruppe und vor allem positiven Impact. Kurzum: Bleibt stark unterwegs und STARTet immer wieder neu durch!“

 

 

Die Zukunft/ 2022 …

 

Und wo geht die Reise hin? Um das Engagement noch gezielter zu fördern und mittelfristig noch mehr junge Menschen zu erreichen, investiert START in digitale Tools zur überregionalen und jahrgangsübergreifenden Vernetzung sowie zur gemeinsamen Projektarbeit. Zukünftig wird START also noch mehr auf Digitalisierung setzen. Daher entwickelt die Stiftung derzeit mit Partnern eine neue softwaregestützte Plattform.

 

Farid Bidardel,

Geschäftsführer der START-Stiftung

 

„START hat in den letzten 20 Jahren maßgeblich dazu beigetragen, das Selbstverständnis von Jugendlichen mit Einwanderungsgeschichte zu stärken und ihnen die Grundlage für aktive Teilhabe an der Gesellschaft mitzugeben. Mich beeindruckt immer wieder die Vielfalt und das Engagement unserer aktiven und ehemaligen Geförderten. Um das Engagement der jungen Menschen noch gezielter zu fördern, investieren wir in digitale Tools zur überregionalen und jahrgangsübergreifenden Vernetzung sowie zur gemeinsamen Projektarbeit. Mittelfristig möchten wir viel mehr Jugendlichen ermöglichen, Engagement und Gemeinschaft zu erleben sowie unsere Demokratie mitzugestalten. Partizipation ist uns ein hohes Gut. Aus diesem Grund laden wir zukünftig verstärkt unsere ehemaligen Geförderten ein, zusammen mit uns das Bildungs- und Engagementprogramm für die Stipendiatinnen und Stipendiaten auszugestalten. Denn sie wissen am besten, was Jugendliche mit Einwanderungsgeschichte brauchen, um unsere Gesellschaft in die Zukunft zu führen.“


unbekannt