Die 16-jährige Schams aus Syrien ist eine unserer neuen Stipendiatinnen und Stipendiaten in Bayern

Wegen des Bürgerkriegs in Syrien musste Schams‘ Familie ihre Heimat verlassen. Um Deutsch zu lernen kam die 16-Jährige zunächst in eine Übergangsklasse. Sie lernte extrem schnell. Vor Kurzem wurde sie unter anderem wegen ihrer Sprachbegabung ins START-Stipendium aufgenommen. Im Gespräch mit der Memminger Zeitung spricht sie über ihre Erlebnisse sowie über ihre Pläne für die Zukunft.

Sie wirkt fröhlich, aufgeweckt und offenbar ist sie sehr sprachbegabt: Obwohl Schams Alali erst Anfang 2016 nach Deutschland kam, spricht die 16-Jährige fließend und akzentfrei deutsch – was ihr jetzt ein Stipendium einer namhaften Stiftung einbrachte. „Ich bin ein Mensch, der viel redet“, erzählt die Schülerin der Mittelschule in Amendingen lachend. Zudem lerne sie gern und viel und habe viele TV-Serien geschaut. Das nennt sie als Gründe, warum sie inzwischen auch bestes Deutsch redet.

Das war nicht immer so. Ihre Familie stammt aus Syrien. Wegen des dortigen Bürgerkriegs flüchtete der Vater samt Ehefrau und den sieben Töchtern zunächst von Aleppo in die Hauptstadt Damaskus und dann erst einmal allein nach Deutschland. Anfang 2016 kam seine Familie nach – zunächst nach Leipzig. Weil der Vater inzwischen in Altenstadt lebte, zog die ganze Familie nach Memmingen. Um deutsch zu lernen, kam Schams in die sogenannte Übergangsklasse an der Bismarckschule, wechselte dann in die sechste Klasse der Mittelschule Amendingen. „Der Anfang war schon schwierig“, erinnert sie sich: „Ich konnte die Sprache nicht und hatte keine Freunde.“ Zudem sei vieles fremd gewesen: „Vor allem in Leipzig habe ich kaum Menschen gesehen, die gelächelt haben…“ In Memmingen habe sie da zum Glück andere Erfahrungen gemacht.

Schams“ Plan: „Ich möchte in Deutschland bleiben – hier kann man machen, was man möchte und einen guten Beruf erlernen.“ Was das sein könnte? „Eventuell etwas mit Computern – oder Modedesign…“, überlegt die Jugendliche. Nach den Ferien kommt sie erst mal in die zehnte Klasse, will die Mittlere Reife als Abschluss machen. „Und dann Abitur“, sagt sie zielstrebig.

Dass sie das schafft, davon ist auch ihr Klassenlehrer Hans-Peter Jühne überzeugt. Er hat die junge Syrerin auch auf das Stipendium der Start-Stiftung mit Sitz in Frankfurt am Main aufmerksam gemacht, die zur gemeinnützigen Hertie-Stiftung gehört. „Schams ist außerordentlich sprachbegabt“, lobt Jühne. Das Stipendium richtet sich an Jugendliche mit sogenannter Migrationserfahrung – also Menschen, die entweder selbst oder deren Mutter oder Vater nach Deutschland zugewandert sind. Großer Wert wird auf dabei das Deutsch-Beherrschen gelegt.

Schams durchlief erfolgreich das Bewerbungsverfahren samt Vorstellungsprozedere, Intelligenztest und Vorstellungsgespräch. Dabei ging es um gesellschaftliche Themen, konkret was die jungen Leute verändern möchten – und wie. Drei Jahre lang läuft das Stipendium. Jeder Stipendiat bekommt einen Laptop sowie jährlich 1000 Euro – das Geld ist zweckgebunden, beispielsweise für Bücher, Schulmaterialien oder Workshops. Zudem treffen sich die Teilnehmer mindestens zwei Mal im Jahr, um miteinander zu diskutieren und gemeinsame Projekte zu machen.

Da hat Schams bereits konkrete Ideen. Sie möchte sich für mehr Frauen- und Menschenrechte einsetzen. Und gegen Mobbing. Darüber will sie auch mit ihren Memminger Mitschülern reden – auch wenn sie solche Fälle hier bisher zum Glück nur sehr vereinzelt erlebt habe.

Foto: Thomas Schwarz

Quelle: „Stipendium für sprachbegabte Syrerin“, Allgäuer Zeitung, 06. August 2020