STart hat ihre persönlichkeit geprägt

START-Alumna Amira studiert heute Humanmedizin in Düsseldorf. Dem Remscheider General-Anzeiger verrät sie im Interview, dass START ihr Türen geöffnet habe, die ihr sonst verschlossen geblieben wären.

Ohne Anna Wessels und Florian Finkler wäre Amira Al Zoubis junges Leben ein wenig anders verlaufen. Die heute 19- jährige Remscheiderin durchlief ein Programm, das ihr dank der Unterstützung ihrer beiden EMA-Lehrer neue Horizonte erschloss. Zuständig für die Begabtenförderung im Gymnasium, hatten die Pädagogen Amira am Ende der achten Klasse für die START-Stiftung vorgeschlagen – als eine von mehreren EMA-Schülern, die regelmäßig bei START angenommen werden.

Das Bildungs- und Engagementprogramm START, eine Tochter der gemeinnützigen Hertie-Stiftung, fördert talentierte Jugendliche mit Migrationserfahrung. „Auf die jugendlichen Talente mit Migrationserfahrung mitten in unserer Gesellschaft kommt es an“, stellt die START-Stiftung fest. Amira hat die Chance konsequent genutzt. Sie ist in Lennep geboren und in Remscheid groß geworden. Ihre Mutter ist Deutsche, ihr Vater Jordanier. Auf Rat der EMA-Lehrer stieg sie in ein mehrstufiges Bewerbungsverfahren ein. „Ohne mir Hoffnungen zu machen“, gibt sie zu. Erst gab sie eine allgemeine, dann eine ausführliche Bewerbung ab, um schließlich nach Wuppertal zu den beiden NRW-Koordinator*innen der Stiftung zum Gespräch geladen zu werden. Danach erhielt sie einen positiven Bescheid für eine vierjährige Förderung.

Nach der Aufnahme-Zeremonie in Düsseldorf folgte das erste Wochenendseminar in einem Tagungshotel in Neuss mit den anderen 60 START-Stipendiat*innen ihres Jahrgangs. Schwerpunkt: Rhetorik. „Das war überwältigend und richtig cool“. In ihrer Stimme schwingt immer noch Begeisterung mit. Ein Seminar pro Schulhalbjahr bietet START an zu Persönlichkeitsentwicklung, Berufsorientierung, gesellschaftlichen Themen oder interkulturellen Kompetenzen. Viele weitere freiwillige Exkursionen und Seminare gesellten sich bundesweit hinzu, vom Sommer-Campus in St. Peter Ording bis zu Forschungsworkshops bei Bayer in Leverkusen.

Für jemanden, der Biologie als Leistungskurs gewählt hatte, eine besonders lehrreiche Zeit. Bis zum Abschluss in Berlin 2019 stand ihr Stipendium für „Rückenwind“, wie sie es rückblickend voller Anerkennung zusammenfasst. „START hat mir Türen geöffnet, die sonst verschlossen geblieben wären“. Der regelmäßige Austausch hat Amira Al Zoubi Selbstbewusstsein eingeimpft. „Migrationshintergrund ist eine Stärke“, meint sie nach vier Jahren Erkenntnisgewinn und Reflexion. „Andere Meinungen und Kulturen zu akzeptieren“ würde auch dazu zählen. Am wertvollsten sind jedoch die Kontakte, die die Remscheiderin bis zu ihrem Abitur 2019 knüpfen konnte – zu weiteren Stipendiat*innen und Ehemaligen, die sich bei der START-Stiftung „Alumni“ nennen und für einen Zusammenhalt über das Stipendium hinaus sorgen.

Die Tragweite des Programms spürt Amira Al Zoubi bis heute. Denn als sie vergangenes Jahr mit einem 1,0-Schnitt ein Studium der Humanmedizin an der Heinrich-Heine-Uni in Düsseldorf begann, schrieb ihr die START-Stiftung ein Gutachten, das dazu beitrug, dass sie bei einem der 13 großen Begabungsförderungswerke in Deutschland angenommen wurde, dem Evangelischen Studienwerk Villigst. Deren finanzielle Förderung orientiert sich an den Bafög-Sätzen. Auch wenn Amira Al Zoubi mit einer Top-Note ihren Studienplatz eroberte, weiß sie: „Man muss nicht Einstein sein, um ein Stipendium zu bekommen. Hauptkriterium ist nicht Abi-Schnitt, sondern Persönlichkeit“. START hat sie dabei entscheidend geprägt.

Foto: Roland Keusch

Quelle: „Start-Stiftung hat ihre Persönlichkeit geprägt“, Remscheider General-Anzeiger, 21. Mai 2020