„Die Konsequenz daraus ist, dass ich hier in Freiheit und Frieden leben kann.“

Anlässlich des 75. Jahrestags des Kriegsendes hat hessenschau Menschen aus Hessen – darunter auch vier START-Stipendiat*innen – gefragt, welche Bedeutung der 8. Mai für sie hat.

„Natürlich klingelt es bei mir, wenn jemand das Datum 8. Mai erwähnt. Kriegsende. Das behandeln wir ja auch ausgiebig im Geschichtsunterricht. Das ist sehr präsent. Für mich ist es selbstverständlich, in Frieden aufzuwachsen und zu leben. Ich musste nie Angst haben, dass Krieg ausbricht.

75 Jahre sind aus meiner Sicht eine lange Zeit. Das könnte alles sehr abstrakt sein. Aber allein dadurch, dass meine Oma in den letzten Jahren des Zweiten Weltkriegs geboren wurde, habe ich doch einiges mitbekommen. So wird das, was damals geschehen ist, einem immer wieder vor Augen geführt. Durch dieses Wissen und durch das Wissen um all die Konflikte, die es immer noch überall auf der Welt gibt, kann ich gar nicht vergessen, wie gut es uns hier in Deutschland gerade geht.

Ich bekomme schon mit, dass der Tag von manchen auch als Tag der Niederlage wahrgenommen wird. Aber aus meiner Sicht, sind das nur wenige Stimmen. Für mich ist es ganz klar der Tag der Befreiung. Schließlich ist die Konsequenz daraus, dass ich hier in Freiheit und Frieden leben kann.“

Anna Muco Strelau, 16, Frankfurt

„Ein Leben ohne Furcht. Das Haus verlassen zu können, ohne um sein Leben bangen zu müssen. Sich nicht um seine Liebsten sorgen zu müssen, dass ihnen etwas geschieht. Für die meisten in Europa lebenden Jugendlichen ist das heute selbstverständlich. Für die Menschen, die zur Zeit des Zweiten Weltkriegs beziehungsweise zur Zeit des Nationalsozialismus lebten, war dies allerdings alles andere als eine Selbstverständlichkeit. Daher gilt der 8. Mai 1945, das Ende des Zweiten Weltkriegs in Europa, für die Menschen, die in Furcht und Schrecken lebten, als ein Tag der großen Erleichterung und Befreiung.

Während des Krieges verloren weltweit geschätzt mehr als 60 Millionen Menschen ihr Leben – die Zahl macht noch immer fassungslos und ist in diesem Ausmaß für uns heute in Europa unvorstellbar. In meiner Funktion als START-Stipendiat möchte ich meine Stimme dahingehend nutzen, mich für eine pluralistische, friedliche und harmonische Gesellschaft auszusprechen, in der niemand aufgrund von Meinungsverschiedenheiten oder Äußerlichkeiten Benachteiligung erfahren muss.

Für mich persönlich sind 75 Jahre Frieden in Deutschland von sehr hoher Bedeutung, da meine Eltern aufgrund von religiöser Verfolgung Schutz und Obhut in Deutschland suchten und herzlich aufgenommen wurden. Ich bin für die vergangenen 75 Jahre Frieden in Deutschland mehr als dankbar, da hierdurch eine friedvolle Gesellschaft etabliert werden konnte und daher liegt es an der Jugend von heute, für Gerechtigkeit und Ordnung zu sorgen, denn in der heutigen Zeit, in der undemokratische Meinungen immer mehr Zuspruch finden, sollten wir als aufgeklärte Gesellschaft entgegenwirken.“

Hazeem Bhatti, 17, Mücke/ Vogelsberg

„Ich habe palästinensische Wurzeln und bin in Syrien geboren. Den 8. Mai habe ich bis heute im alltäglichen Leben kaum wahrgenommen. Dennoch ist dieser Tag für mich von großer Bedeutung und sollte nie in Vergessenheit geraten. Erst 1985 nahm mit Bundespräsident Richard von Weizsäcker erstmals ein westdeutscher bürgerlicher Spitzenpolitiker das Wort „Tag der Befreiung“ in den Mund. Ich wünsche mir, dass dieser Tag wirklich auch das Ende des Rassismus und Antisemitismus bedeutet hätte oder auch in Zukunft immer wieder Menschen mahnt, dies nie wieder zuzulassen.

Rassismus hat so viele Facetten – struktureller, materieller Rassismus – und oft wird er nicht ernst genug genommen oder gar erkannt. Ich habe die Hoffnung, dass die abscheulichen Verbrechen des Hitler-Faschismus die Herzen der Menschen für immer so bedrücken, dass sie den Hass gegenüber anderen Menschen ablegen.

Ich wünsche mir, dass alle Menschen einen Ort finden werden, wo ihnen das Recht zugestanden wird, ganz normal zu leben. Vielleicht kann es sogar in der Zukunft eine Welt geben, in der Staatsangehörigkeit und Religion keine Rolle spielen. In der alle Länder dein Land, alle Völker dein Volk, alle Farben deine Farbe sind.“

Nurilhudda Fayyad, 18, Frankfurt

„Der 8. Mai stellt einen besonderen Tag für Deutschland dar. An diesem Tag vor genau 75 Jahren wurde Deutschland von der diktatorischen Führung befreit. Mit dem Tag hatte der Zweite Weltkrieg, welcher so viel Schrecken und Leid mit sich brachte, in Europa ein Ende. Dieser Tag ist von besonders hoher Bedeutung, denn mit Kriegsende war auch die Freiheit und die Demokratie wiedergeboren. Leider lässt sich über die Jahre erkennen, dass der Tag immer mehr in Vergessenheit gerät. Den wenigsten ist bewusst, welche Bedeutung der 8. Mai hat.

Dies liegt vermutlich daran, dass jeder Mensch seinen Alltag besitzt und in diesen verfällt. Man sieht das Datum auf dem Handy oder dem Kalender, doch die meisten sind zu gestresst, um sich Gedanken darüber zu machen. Aber auch daran, dass vor allem die junge Generation kaum etwas mit dem Tag verbinden kann. Klar, wir kennen die Bedeutung aus dem Geschichtsbuch oder dem Religionsunterricht, aber meistens kann man damit nicht so viel anfangen.

Der Frieden ist für die meisten etwas Selbstverständliches. Die wenigsten Deutschen wissen, wie ein Krieg in Wirklichkeit ist. Kaum jemand hat einen erlebt, da wir alle das große Glück haben in einer Gesellschaft zu leben, die seit 75 Jahren den Frieden genießt. Zwar liest man in der Zeitung und in Büchern davon, was Krieg bedeutet und doch kann sich kaum jemand vorstellen, wie es wirklich war. Gerade deshalb ist es umso wichtiger, die Erinnerung an das Kriegsende zu bewahren.

Ein solcher Tag darf niemals in Vergessenheit geraten. Der Tag erinnert uns an all die Opfer, die der Krieg und die nationalsozialistische Ideologie mit sich brachten. Ohne die Befreiung Deutschlands durch die Alliierten, wäre die Bundesrepublik niemals so geworden wie sie jetzt ist. Unsere Freiheit haben wir denjenigen zu danken, die für diese gekämpft haben. Wir, die jetzigen und die kommenden Generationen sind dafür zuständig, etwas so Schreckliches niemals wieder passieren zu lassen.“

Alisha Rühl, 17, Oberursel

Zum vollständigen Artikel hier entlang.

Sendung: hr-fernsehen, hessenschau kompakt, 08.05.2020,16.45 Uhr

Foto: (C) hessenschau