START-Stiftung

Stipendien für motivierte, neu zugewanderte Jugendliche
19.05.2016

Bildung muss sich rechnen. Aber wie?

„Muss sich Bildung rechnen?“

Die fünften START-Gespräche fanden diesmal in Kooperation mit der Deutschen Bank Stiftung thematisch passend in den Zwillingstürmen der Deutschen Bank statt.

Live gezeichnete Erklärgraphik von Sven Kröger

Dr. Julia Neuhaus, Heinz-Peter Meidinger und Rose Bartmer

Alice Engel vor der "Tafel der Bildungsbedeutungen"


„Return on investment – muss sich Bildung rechnen?“ war die zentrale Frage der Veranstaltung. Schon vor Beginn konnten die Gäste ihre Meinung auf einer Tafel eintragen: Ja oder Nein? Die Podiumsdiskussion und das Publikumsgespräch versprachen komplexer zu werden und sich nicht mit kurzen Antworten zu begnügen. Auch aufgrund der unterschiedlichen Herangehensweisen und Arbeitshintergründe der Gastredner wurden die Erwartungen mehr als übertroffen.

Dr. Julia Neuhaus, Geschäftsleiterin der Verwaltungs- und Wirtschaftsakademie Essen am Standort Berlin und Geschäftsleiterin der FOM Open Business School in Berlin vertrat eine pragmatische Position und stellte zur Diskussion, dass es volkswirtschaftliche Instrumente gäbe, mit denen man weitestgehend in der Lage sei abzumessen, inwieweit sich Investitionen in einzelne Ausbildungs- und Berufssparten rechneten. Und warum sollte man solche Möglichkeiten nicht ausnutzen?

Heinz-Peter Meidinger, Vorsitzender des Deutschen Philologenverband (DPhV) und Schulleiter eines Gymnasiums in Bayern, entgegnete, dass es schwieriger sei, den tatsächlichen gesellschaftlichen Mehrwert von Laufbahnen und Berufen zu bemessen. Wollen wir wirklich eine Gesellschaft voller Betriebswirte, fragt Meidinger. Wer wird noch Kunst schaffen? Werden wir glücklich sein? Eine kurze Anekdote aus seiner Erfahrung als Schulleiter: Einer der besten von seinen ehemaligen Schülern, ein ausgezeichneter Mathematiker, lebt nun auf dem Land und hütet Schafe. Dass er glücklich ist, muss man kaum dazusagen. Was bedeutet also Mehrwert? Was bedeutet Rendite?

Das Publikum meldet sich zahlreich betroffen zu Wort und eröffnet folgerichtig eine kontroverse Diskussion: Einerseits können wir auf unsere Betriebswirte nicht verzichten, auch sicher nicht auf Naturwissenschaftler. Fatal wäre es allerdings, Wissenschaftler auszubilden, die vermeintliche Spezialisten in ihren Forschungsgebieten sind, dafür aber nicht in der Lage sind, die Komplexität der Wissenschaft und ihre ethischen Dimensionen zu erfassen.

Rose Bartmer, Musiktheaterpädagogin und Dramaturgin für die Sparte 4 am Theater Bonn und Alumna der Akademie Musiktheater heute, gefördert von der Deutschen Bank Stiftung, geht noch einen Schritt weiter und betrachtet Rendite aus der Ego-Perspektive. Gleichwertig und weniger Gebildete verdienen in anderen Bereichen deutlich mehr als sie, es fällt schwer, vom Theatergehalt zu leben. Trotzdem kommt sie jedes Mal, wenn sie sich die Frage stellt, ob sie nicht wo anders besser aufgehoben wäre, in einem komfortableren Leben, zu der gleichen Antwort: Sie fühlt sich zu ihrem Beruf berufen. Die Höhe der ideellen Rendite überwiegt die finanzielle Rendite bei weitem.
Die Podiumsteilnehmer sind sich darin einig, dass sich Bildung rechnen muss. Wie diese Rechnung im Endeffekt aussehen soll, darin sind sich wohl alle Gäste an diesem Abend einig, ist eine Frage, mit der sich jeder ganz individuell dauerhaft auseinandersetzen muss. Womit wir wieder am Anfang wären – Bildung ist unerlässlich.

 

Ein Projekt der Gemeinnützen Hertie-Stiftung